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MHD

Seit 1981 ist die Angabe eines Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) bei Lebensmitteln Pflicht – und zu denen gehört auch Bier. Es zeigt sich immer wieder, dass das MHD von vielen Konsumenten gründlich missverstanden wird. Denn wenn ein Bier abgelaufen ist, heißt das keineswegs, dass es nach dem angegebenen Datum nicht mehr genießbar oder nicht zum Verzehr geeignet ist. Was bedeutet also das Mindesthaltbarkeitsdatum in Sachen Bier? Und kann Bier überhaupt schlecht werden? 

Mindesthaltbarkeitsdatum ist nicht gleich Ablaufdatum

Erste Verwirrung: Häufig wird das MHD mit einem Verfallsdatum verwechselt. Ein Ablaufdatum wird für leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch oder Fisch vergeben. Hier ist die Verpackung mit dem Hinweis: "zu verbrauchen bis" versehen. Das Verbrauchsdatum gibt an, ab welchem Zeitpunkt beim Verzehr des Produktes gesundheitliche Gefahren drohen können.
Ganz anders das Mindesthaltbarkeitsdatum. Es garantiert lediglich, dass das Produkt bis zum genannten Zeitpunkt ohne Qualitätseinbußen oder Beeinträchtigung des Geschmacks konsumiert werden kann – richtige Lagerung vorausgesetzt. Das Mindesthaltbarkeitsdatum bei Bier legt fest, bis wann das Produkt seine spezifischen Eigenschaften mindestens behält – seien es Geschmack, Farbe oder Geruch. "Das MHD ist kein Verfallsdatum", so auch Peter Loosen vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL). Es handelt sich bei der Datumsangabe also viel mehr um eine Verzehrempfehlung und Orientierungshilfe. 

Wie aussagekräftig ist das MHD?

Das Datum wird in Eigenverantwortung vom Hersteller festgelegt und vergeben. Um dem Konsumenten zweifelsfrei garantieren zu können, dass das Bier bis zum angegebenen Zeitpunkt ein ungetrübtes Geschmackserlebnis bietet, bauen die Produzenten zusätzlich einen Zeitpuffer ein. Nun mag man sich mit Recht fragen, wie sinnvoll es ist, einen konkreten Tag festzulegen. Denn mit Sicherheit schmeckt der Gerstensaft am Stichtag genauso gut wie einen Tag später. Aussagekräftiger wäre die zusätzliche Angabe eines Abfülldatums, denn die Frische lässt sich nicht unbedingt allein am MHD ablesen. Brauereien vergeben je nach Biersorte ein unterschiedliches Haltbarkeitsdatum, das meist zwei bis sechs Monate beträgt. Ohne Abfülldatum kann der Verbraucher jedoch nicht nachvollziehen, wie lange die Flasche nun schon im Regal steht – eine Woche oder schon vier Monate? Er weiß nur, ob das Bier abgelaufen ist. Leider ist die Angabe des Abfülldatums nicht gesetzlich vorgeschrieben und nur wenige Brauereien geben aus freien Stücken beide Daten an.

Bier abgelaufen – ab in den Ausguss?

Der Genuss ist auch lange nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums völlig unbedenklich. Bier kann im Gegensatz zu anderen Lebensmitteln wie Fleisch, Eiern oder Fisch auch bei noch so langer Lagerung keine gesundheitsschädlichen Bakterien entwickeln. Das bestätigen auch Verbraucherzentralen: Bier sei auch mehrere Monate nach Ablauf des MHD haltbar. Allerdings können sich Bakterien entwickeln, die Geschmack, Farbe, Kohlensäuregehalt und Geruch verändern. Doch in der Regel sind auch einige Wochen nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums keine signifikanten Veränderungen zu erwarten. Wenn Bier abgelaufen ist, muss es also nicht gleich im Ausguss landen. 

Sind alle Biere gleich lang haltbar?

Das MHD variiert bei einzelnen Biersorten stark. Sie kann zwei, aber auch zwölf Monate betragen. Wann ein Bier abgelaufen ist, kann von vielen verschiedenen Faktoren abhängen. Hier spielen in erster Linie Bierstil, Herstellungsprozess, Hopfung und Alkoholgehalt eine entscheidende Rolle. Auch kurzfristiges Erhitzen konserviert das Getränk. Zwar wird die Haltbarkeit dadurch verlängert, doch gehen beim Pasteurisieren feine Aromakomponenten verloren. Die kleinen, anspruchsvollen Craft Brauereien verzichten deshalb gerne darauf. 

Untergärige Biersorten haben in der Regel ein längeres MHD als obergärige. So ist zum Beispiel ein Pils länger haltbar als obergäriges Weizenbier oder Weißbier – besonders wenn jene unfiltriert, also trübe, sind. Biersorten mit einem Alkoholgehalt von vier bis fünf Prozent und leichte unfiltrierte Biere sollten eher relativ frisch getrunken werden. Sie können bei Überlagerung an Frische und Spritzigkeit einbüßen und leicht muffig schmecken. Das untergärige Brauverfahren kommt auch bei Export und Lager zum Tragen. Beide Biersorten mussten früher lange Transportwege in Kauf nehmen und daher eine möglichst lange Haltbarkeit besitzen. Bei anderen Biersorten sorgt ein hoher Alkoholgehalt für Haltbarkeit. Wie alle Craft Beer Fans wissen, weisen fast alle Craftbiere einen hohen Alkoholgehalt von sechs bis neun Prozent, in Ausnahmefällen sogar bis zu zwölf Prozent auf. Vor allem Bockbiere haben es alkoholmäßig in sich. Starkbier ist noch lange nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums gut genießbar. Kenner lassen Bockbiere mit besonders hohem Alkoholgehalt auch gerne mal Jahre im Keller ruhen. Sie gewinnen dann eine leichte Sherrynote. 

MHD beim Craft Beer – langlebige, aber sensible Schätze

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Hopfengehalts des Biers. Je stärker gehopft, desto langlebiger auch das Bier. Hopfen hat antibakterielle Eigenschaften und damit eine konservierende Wirkung. Die unter Craft Beer zusammengefassten Biersorten können aufgrund ihrer starken Hopfung und dem deutlich höheren Alkoholgehalt also kaum schlecht werden.
Allerdings sollte man nicht vergessen, dass Craft Beer ein handwerklich hergestelltes Frischeprodukt ist. Wer Wert auf vollen Hopfengenuss legt, sollte sie am besten drei bis sechs Monate nach der Herstellung trinken, denn die ätherischen Öle des Hopfens verflüchtigen sich nach und nach. Frisch schmeckt es einfach am besten. Doch finden sich durchaus Liebhaber, die an weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus gelagertem Pale Ale oder Indian Pale Ale (IPA) Gefallen finden. Bei Craft Beer tritt bei Überlagerung das Hopfenaroma etwas zurück und überlasst dem Malz die Bühne. Deshalb kommen die Craftbiere dann ungewöhnlich malzig daher – schlecht im Sinne von ungenießbar werden sie jedoch nicht. Wo wir gerade bei malzig sind. Auch malzbetontes stärkeres Craft Beer wie Stout und Porter sind länger haltbar – auch einige Zeit über das angegebene Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus. Barley Wine, der zwölf Prozent Alkoholgehalt hat, kann, ähnlich wie Wein soager mehrere Jahre in der Flasche lagern und an Aromafülle und Geschmacksintensität gewinnen. 

Haltbarkeit durch richtige Lagerung erhöhen

Wann ein Bier abgelaufen ist, hängt nicht nur vom Haltbarkeitsdatum, sondern auch wesentlich von der richtigen Lagerung ab. Wer sein Bier bei hohen Temperaturen und Sonneneinstrahlung aufbewahrt, wird kaum lange Freude daran haben. Wärme und direkte Sonne beeinträchtigen die Haltbarkeit und lassen es schneller "altern". Bier braucht konstante Temperaturen und sollte keinen extremen Schwankungen ausgesetzt sein. Es kommt weder mit Hitze noch Kälte zurecht, ohne an Qualität einzubüßen – schon gar nicht, wenn sie im Wechsel auftreten. Diese äußeren Bedingungen können Geschmack und Farbe relativ schnell verändern. Alle Biersorten werden am besten dunkel, trocken und aufrecht stehend bei fünf bis zehn Grad gelagert. Diese idealen Voraussetzungen sind eigentlich nur in einem Keller gegeben. Wohl dem also, der einen Keller sein Eigen nennt. Denn dann lassen sich viele kühle Schätze auch nach Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums ohne große Qualitätseinbußen aufbewahren.